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TBW Projektarbeit schreiben: Von der leeren Seite zur Rohfassung

Bastian · 1. August 2026 · 7 Min. Lesezeit

Die Gliederung steht. Das Thema ist genehmigt. Die Daten liegen vor. Und jetzt sitzt du vor einem leeren Dokument und sollst 25 bis 30 Seiten füllen.

Diese Phase ist die längste im 30-Tage-Zeitplan und die, in der die meisten Tage verloren gehen. Nicht weil das Schreiben schwer wäre — sondern weil die meisten es in der falschen Reihenfolge tun.

Der Fehler: denken und formulieren gleichzeitig

Die typische Vorgehensweise sieht so aus: Erster Satz der Einleitung. Umformulieren. Nochmal. Zweiter Satz. Nach zwei Stunden steht ein halber Absatz, der ganz gut klingt.

Das Problem daran ist nicht die Sorgfalt. Es ist, dass du zwei völlig verschiedene Tätigkeiten vermischst: herausfinden, was du sagen willst, und entscheiden, wie du es sagst. Beides gleichzeitig ist deutlich langsamer als beides nacheinander.

Der IHK-Leitfaden empfiehlt deshalb einen anderen Einstieg:

Schreiben Sie zunächst einen Rohtext mit Stichpunkten zu den einzelnen Kapiteln, damit Sie in jedem Fall schon etwas zu Papier bringen.

Das ist der ganze Trick. Erst alles hinschreiben, dann alles ausformulieren.

Rechne aus, wie viel Text du pro Kapitel brauchst

Bevor du den ersten Satz schreibst, verteilst du die Seiten. Der Leitfaden gibt dafür Anteile vor:

Teil Anteil Bei 28 Seiten
Einleitungca. 10 %ca. 3 Seiten
Hauptteil — Theorien und Modelleca. 20 %ca. 5–6 Seiten
Hauptteil — ausführliche Darstellungca. 60 %ca. 17 Seiten
Schluss und Ausblickca. 10 %ca. 3 Seiten

Zwei Dinge fallen dabei auf, die viele überraschen.

Der Theorieteil ist Pflicht, aber klein. Die Projektarbeit muss einen gewichtigen Theorieteil beinhalten — rund ein Fünftel des Hauptteils. Wer 15 Seiten Grundlagen schreibt, hat kein gründliches Kapitel, sondern ein Platzproblem.

Ist-Analyse und Lösung teilen sich die 60 Prozent. Wenn deine Ist-Analyse allein zwölf Seiten hat, bleiben für Soll-Zustand, Alternativen, Wirtschaftlichkeitsrechnung und Handlungsempfehlung nur noch fünf. Genau diese Schieflage prüft der Ausschuss unter dem Kriterium Systematik — ob eine Konzentration auf das Wesentliche erfolgt oder ob sich der Verfasser im Detail verliert.

Trag die Seitenbudgets in deine Gliederung ein, bevor du anfängst. Sie sind dein Bremssystem.

Die Reihenfolge, die am wenigsten kostet

Schreib nicht von vorne nach hinten. Schreib in der Reihenfolge, in der du am meisten weißt.

1. Ist-Analyse. Hier hast du Fakten, Zahlen und Prozesse. Es gibt nichts zu erfinden, nur zu ordnen. Der ideale Einstieg, weil die Denkhürde am niedrigsten ist — und weil du nach einem Tag mehrere Seiten stehen hast, was psychologisch mehr wert ist, als es klingt.

2. Theorieteil. Jetzt weißt du, welche Modelle du wirklich brauchst. Wer den Theorieteil zuerst schreibt, beschreibt regelmäßig Methoden, die er später gar nicht anwendet — und das fällt auf.

3. Soll-Zustand und Alternativen. Das inhaltliche Herzstück. Hier entsteht die eigene gedankliche Leistung, die rund 35 Prozent der Bewertung ausmacht.

4. Wirtschaftlichkeitsrechnung. Der Pflichtinhalt, der am meisten Zeit frisst, wenn Zahlen fehlen. Deshalb nicht ans Ende schieben — sondern so früh, dass du noch reagieren kannst.

5. Handlungsempfehlung und Fazit. Ergibt sich aus 3 und 4, wenn die sauber sind.

6. Einleitung. Zuletzt. Sie soll unter anderem einen Überblick über die Projektarbeit und die Vorgehensweise in den einzelnen Kapiteln geben — den kennst du erst jetzt genau.

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So sieht ein Rohtext konkret aus

Kein Fließtext, keine ganzen Sätze. Pro Kapitel eine Liste aus Aussagen, Zahlen und Quellenhinweisen. Für ein Kapitel „Bewertung der Alternativen" etwa:

Das dauert 20 Minuten und ist inhaltlich bereits die halbe Arbeit. Aus diesen sechs Zeilen werden später zweieinhalb Seiten Fließtext — aber du weißt jetzt schon, dass das Kapitel trägt.

Mach das für alle Kapitel, bevor du irgendetwas ausformulierst. Am Ende dieses Durchgangs siehst du, welches Kapitel dünn ist. Das ist der Moment, in dem eine Lücke noch billig zu schließen ist — nicht Tag 26.

Wie viel schaffst du realistisch pro Tag?

Die meisten planen zu optimistisch, weil sie mit einem freien Tag rechnen. Du hast aber keinen freien Tag — du hast zwei bis drei Stunden nach Feierabend.

Rechne mit diesen Größenordnungen:

Tätigkeit Realistisch in 2–3 Stunden
Rohtext (Stichpunkte) für ein Kapitel1–2 Kapitel
Rohtext ausformulieren2–3 Seiten
Wirtschaftlichkeitsrechnung aufbauenein Abend, wenn die Zahlen da sind
Überarbeiten und kürzen5–8 Seiten

Bei 22 Seiten Hauptteil sind das rund neun Abende reines Ausformulieren, plus zwei bis drei Abende für den Rohtext davor. Wer damit an Tag 20 anfängt, kommt rechnerisch nicht durch — deshalb liegt diese Phase im 30-Tage-Zeitplan zwischen Tag 8 und Tag 20.

Ein Hinweis, der mehr bringt, als er klingt: Hör auf, wenn du weißt, wie es weitergeht — nicht, wenn du nicht mehr weiterweißt. Wer mitten in einem Gedanken aufhört und sich die nächsten zwei Stichpunkte notiert, sitzt am nächsten Abend nach fünf Minuten wieder drin. Wer am Ende eines Kapitels aufhört, verbringt den halben nächsten Abend mit dem Wiedereinstieg.

Die Klammer nicht vergessen

Ein Hinweis aus dem Leitfaden, der leicht untergeht und beim Bewertungskriterium Aufbau und Struktur direkt einzahlt:

Achten Sie darauf, dass Sie eine Klammer in Ihre Projektarbeit einbauen, d. h., dass Sie Ihren Schlussteil immer auf Ihre Einleitung beziehen: „Was war unser Ziel und was haben wir erreicht?"

Praktisch heißt das: Die Fragen, die du in der Einleitung stellst, beantwortest du im Schluss — in derselben Reihenfolge, mit denselben Begriffen. Wenn du die Einleitung zuletzt schreibst, ist das leicht. Du weißt dann ja, was du beantwortet hast.

Übergänge: zwei Sätze pro Kapitel

Bei der Bearbeitung ist es wichtig, dem Leser immer wieder die zugrunde liegende Problemstellung vor Augen zu führen. Der Leitfaden nennt dafür sogar die Formulierungen: eine kurze Einleitung nach dem Muster „Im folgenden Abschnitt geht es nun um … Damit lässt sich zeigen, dass …" und eine kurze Zusammenfassung am Kapitelende: „Zusammenfassend zeigen die Ausführungen dieses Abschnittes, dass …".

Zwei Sätze pro Kapitel. Bei zehn Kapiteln sind das zwanzig Sätze, die aus einer Sammlung von Abschnitten eine Arbeit machen. Wenige Eingriffe zahlen so direkt auf die rund 20 Prozent für Aufbau und Struktur ein.

Wenn du trotzdem feststeckst

Zwei Situationen kommen immer wieder vor.

Das Kapitel bleibt leer, weil Daten fehlen. Dann schreib nicht weiter drumherum. Der Leitfaden gibt einen klaren Ausweg: Hast du keinen Zugriff auf reale Unternehmensdaten, verwendest du branchenübliche Werte. Sind auch die nicht verfügbar, triffst du begründete Annahmen und legst dar, warum die Werte realistisch sind. Setz die Annahme, schreib die Begründung dazu und mach weiter.

Der Text wird zu lang. Gutes Zeichen — kürzen ist einfacher als erfinden. Aber kürz im Text, nicht durch Verschieben: Der Anhang darf nicht dazu genutzt werden, längere Textpassagen auszulagern, um die maximale Seitenzahl zu umgehen. In den Anhang gehören Detailrechnungen und umfangreiche Auswertungen, keine ausgelagerten Absätze.

Fazit

Eine Rohfassung ist kein schlechter Text. Sie ist ein vollständiger Gedanke in unfertiger Form — und damit deutlich mehr wert als drei perfekt formulierte Seiten, hinter denen nichts kommt.

Wenn du nach fünf Tagen einen Rohtext über alle Kapitel hast, ist der schwierige Teil vorbei. Was dann folgt, ist Handwerk: ausformulieren, Übergänge setzen, kürzen.

Weiterlesen: die IHK-konforme Gliederung als Grundlage, der 30-Tage-Zeitplan für die Einordnung dieser Phase — und danach der Sprachschliff.


Häufige Fragen

Wie verteilen sich die Seiten auf Einleitung, Hauptteil und Schluss?

Der IHK-Leitfaden nennt ungefähre Anteile: Einleitung rund 10 Prozent, Hauptteil rund 80 Prozent, Schluss und Ausblick rund 10 Prozent. Bei 28 Seiten Textteil sind das etwa 3 Seiten Einleitung, 22 Seiten Hauptteil und 3 Seiten Schluss. Innerhalb des Hauptteils entfallen rund 20 Prozent auf die Darstellung der Theorien und Modelle und rund 60 Prozent auf die ausführliche Darstellung.

Soll ich die Projektarbeit von vorne nach hinten schreiben?

Nein. Die Einleitung schreibst du am besten zuletzt, weil sie einen Überblick über die Vorgehensweise in den einzelnen Kapiteln geben soll — den kennst du erst, wenn die Kapitel stehen. Beginn mit der Ist-Analyse, denn dort hast du die meisten Fakten und die geringste Denkhürde.

Was ist ein Rohtext und warum ist er sinnvoll?

Der IHK-Leitfaden empfiehlt ausdrücklich, zunächst einen Rohtext mit Stichpunkten zu den einzelnen Kapiteln zu schreiben, damit in jedem Fall schon etwas zu Papier gebracht ist. Der Vorteil: Du trennst Denken und Formulieren. Wer beides gleichzeitig macht, schreibt langsam und bleibt an Sätzen hängen statt an Inhalten.

Wie verbinde ich die Kapitel sinnvoll miteinander?

Über kurze Einleitungen und Zusammenfassungen. Der Leitfaden nennt dafür sogar Formulierungen: „Im folgenden Abschnitt geht es nun um … Damit lässt sich zeigen, dass …“ zu Beginn und „Zusammenfassend zeigen die Ausführungen dieses Abschnittes, dass …“ am Ende. Damit führst du dem Leser immer wieder die zugrunde liegende Problemstellung vor Augen.


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