Die Arbeit ist abgegeben, du hast bestanden — und jetzt kommt der Teil, den viele unterschätzen, weil er nur eine gute Stunde dauert.
Diese Stunde wird eigenständig im Zeugnis ausgewiesen. Und wenn sie schiefgeht, ist die bestandene Projektarbeit wertlos: Bei einer Wiederholungsprüfung muss die Projektarbeit mit einem neuen Thema gestellt werden. Du schreibst dann nicht das Gespräch neu, sondern die ganze Arbeit.
Grund genug, sich das genau anzusehen.
Wer wird überhaupt zugelassen?
Zur Präsentation und zum projektarbeitsbezogenen Fachgespräch wird nur zugelassen, wer die schriftliche Projektarbeit bestanden hat. Die mündliche Prüfung ist nur durchzuführen, wenn in der Projektarbeit mindestens ausreichende Leistungen erbracht wurden — also mindestens 50 von 100 Punkten.
Bestanden ist die projektbezogene Prüfung insgesamt erst, wenn ohne Rundung in jeder Teilleistung mindestens 50 Punkte erreicht wurden: in der schriftlichen Projektarbeit, in der Präsentation und im projektarbeitsbezogenen Fachgespräch. Drei Hürden, die einzeln genommen werden müssen.
Der Ablauf
| Teil | Dauer | Inhalt |
|---|---|---|
| Präsentation | höchstens 15 Minuten | Ergebnisse und Kernelemente deiner Projektarbeit, unter Einsatz sachgerechter Präsentationstechniken |
| Fachgespräch | in der Regel 30, höchstens 45 Minuten | schließt sich unmittelbar an die Präsentation an |
Ein Hinweis zur Genauigkeit: Der Leitfaden nennt an einer Stelle auch die Formulierung, die Dauer des Fachgesprächs solle 30 Minuten nicht überschreiten. Die ausführliche Regelung im Kapitel zum Fachgespräch spricht dagegen von in der Regel 30 und höchstens 45 Minuten. Plan mit 45 und frag zur Sicherheit bei deiner IHK nach.
Wichtig ist das Wörtchen unmittelbar. Zwischen Präsentation und Gespräch gibt es keine Pause, in der du dich sammelst. Der letzte Satz deiner Präsentation ist die Vorlage für die erste Frage.
Die Präsentation: 15 Minuten sind kürzer, als du denkst
Du sollst zuerst die Ergebnisse und Kernelemente darstellen. Nicht den Weg dorthin, nicht das Unternehmen, nicht die Methodik in voller Breite.
Das ist die häufigste Fehlkalkulation: Wer seine 28 Seiten chronologisch nacherzählt, ist nach 15 Minuten bei der Ist-Analyse und hat weder Lösung noch Wirtschaftlichkeit gezeigt — also genau die Teile, die den größten Anteil an der Bewertung haben.
Eine Aufteilung, die sich bewährt hat:
| Abschnitt | Zeit |
|---|---|
| Problem und Ziel | ca. 2 Min. |
| Vorgehen und gewählte Methode, kurz begründet | ca. 3 Min. |
| Alternativen und Bewertung | ca. 4 Min. |
| Wirtschaftlichkeit | ca. 3 Min. |
| Handlungsempfehlung und nächste Schritte | ca. 3 Min. |
Sprich die Präsentation mindestens zweimal laut durch und stopp die Zeit. Nicht im Kopf durchgehen — laut. Der Unterschied beträgt regelmäßig drei bis vier Minuten.
Von der Themenfindung bis zum Fachgespräch
Das TBW Framework deckt alle 9 Stufen ab — inklusive der Vorbereitung auf Präsentation und Fachgespräch, mit fertigen Claude-Prompts für Argumentation und Probefragen.
Framework sichern – 49 €Die Folien: weniger, als du denkst
Verlangt ist der Einsatz sachgerechter Präsentationstechniken. Sachgerecht heißt hier: Die Folie unterstützt, was du sagst — sie ersetzt es nicht.
Eine praktikable Faustregel für 15 Minuten: acht bis zehn Folien. Das klingt wenig und ist bereits knapp kalkuliert, wenn du auf jeder Folie etwas erklären willst.
- Eine Aussage pro Folie. Die Überschrift ist die Aussage, nicht das Thema. Also „Alternative B senkt die Ausfallzeit um 40 Prozent" statt „Bewertung der Alternativen".
- Jede Zahl auf der Folie musst du erklären können. Was du nicht erklären willst, kommt nicht drauf — jede Zahl ist eine Einladung zur Nachfrage.
- Deine Kernabbildung groß. Meistens ist das die Nutzwertanalyse oder die Wirtschaftlichkeitsrechnung. Eine große, lesbare Tabelle schlägt vier kleine.
- Keine Fließtextfolien. Was du vorliest, hätte man auch verteilen können.
Denk daran, dass ein Ausdruck der Präsentation zur Prüfung mitzubringen ist. Der Ausdruck bleibt dort — plan also nicht mit Notizen darauf, die niemand sehen soll.
Technik: rechne damit, dass dir niemand hilft
Der Leitfaden ist an dieser Stelle ungewöhnlich konkret — und die Konsequenz daraus wird regelmäßig übersehen:
Ein Laptop sowie ggf. Adapter für den Beamer sind von Ihnen mitzubringen. Eine technische Betreuung vor Ort für den Anschluss eines Laptops an den Beamer ist nicht gegeben.
Deine Packliste ergibt sich daraus fast von selbst:
- Laptop — geladen, Netzteil dabei
- Adapter für HDMI und VGA. Wenn dein Gerät nur USB-C hat, nimm beide mit
- Präsentation zusätzlich als PDF — der Leitfaden empfiehlt das ausdrücklich. Ein PDF öffnet sich überall und verschiebt keine Layouts
- USB-Stick mit derselben PDF-Datei, falls der Laptop streikt
- Ausdruck der Präsentation — der ist verlangt, nicht optional
- Ein Exemplar deiner Projektarbeit, damit du bei Nachfragen die Seite aufschlagen kannst
An Medien stehen je nach Ausstattung der Kammer Flipchart, Pinnwand, Notebook und Beamer zur Verfügung. Der Leitfaden empfiehlt, wegen der Präsentationsmittel bei deiner IHK nachzufragen — das ist ein Anruf und erspart dir die Überraschung im Prüfungsraum.
Die letzten sieben Tage
Zwischen Abgabe und Prüfung vergehen oft mehrere Wochen. Die letzte Woche reicht, wenn du sie strukturiert nutzt.
Tag 7 bis 6: Die eigene Arbeit noch einmal lesen. Ernsthaft — nach vier Wochen Abstand weißt du nicht mehr, warum du in Kapitel 6 die Gewichtung so gewählt hast. Notiere zu jeder Entscheidung in der Arbeit eine Begründung in einem Satz.
Tag 5 bis 4: Präsentation bauen. Wenige Folien, große Schrift, jede Zahl auf der Folie musst du erklären können. Was du nicht erklären willst, kommt nicht auf die Folie.
Tag 3: Zweimal laut durchsprechen, Zeit stoppen, kürzen.
Tag 2: Probefragen. Die Bewertungskriterien des Leitfadens sind fast wörtlich als Fragen formuliert — sie eignen sich hervorragend als Fragenkatalog. Welche das sind und wie du darauf antwortest, steht hier: Die häufigsten Fragen im TBW Fachgespräch.
Tag 1: Technik testen und packen. Präsentation als PDF exportieren, auf den Stick kopieren, ausdrucken. Adapter einpacken. Anfahrt prüfen.
Drei Dinge, die überraschend oft schiefgehen
Die Zeit. 15 Minuten sind eine harte Obergrenze, keine Zielmarke. Wer bei Minute 14 noch die Wirtschaftlichkeitsrechnung vor sich hat, verliert genau den Teil, der am meisten zählt. Deshalb: die letzten beiden Abschnitte zuerst üben, nicht die Einleitung.
Der Übergang ins Gespräch. Das Fachgespräch schließt sich unmittelbar an. Bereite einen Schlusssatz vor, der eine Tür öffnet — etwa deine Handlungsempfehlung mit der Bedingung, unter der sie gilt. Dann bestimmst du mit, worüber die erste Frage geht.
Die eigene Arbeit. Zwischen Abgabe und Prüfung liegen oft mehrere Wochen. In dieser Zeit vergisst man erstaunlich viel — vor allem die Begründungen für Entscheidungen, die beim Schreiben selbstverständlich schienen. Genau danach wird gefragt.
Was der Ausschuss hören will
Der Prüfungszweck steht in der Verordnung: Nachgewiesen werden soll die Fähigkeit, Berufswissen in betriebstypischen Situationen anzuwenden und sachgerechte Lösungen im Sinne der Unternehmenspolitik zu erarbeiten.
Übersetzt heißt das: Es geht nicht darum, ob deine Lösung die objektiv beste ist. Es geht darum, ob du sie begründen, gegen Alternativen abwägen und ihre Grenzen benennen kannst.
Deshalb ist ein „Das habe ich bewusst nicht betrachtet, weil …" eine gute Antwort und ein ausweichendes „Das müsste man mal prüfen" eine schlechte. Eigenständigkeit und Urteilsvermögen werden ausdrücklich bewertet — und die zeigst du auch dort, wo du eine Grenze deiner Arbeit offen benennst.
Weiterlesen: Die häufigsten Fragen im Fachgespräch und, falls du noch mitten in der Arbeit steckst, die Checkliste vor der Abgabe.
Häufige Fragen
Wie lange dauern Präsentation und Fachgespräch beim TBW?
Die Präsentation soll nicht länger als 15 Minuten dauern. Das projektarbeitsbezogene Fachgespräch soll in der Regel 30 Minuten dauern, jedoch nicht länger als 45 Minuten. Der IHK-Leitfaden nennt an einer Stelle auch die Formulierung, das Fachgespräch solle 30 Minuten nicht überschreiten — die konkrete Handhabung erfragst du am besten bei deiner IHK.
Werde ich zum Fachgespräch überhaupt zugelassen?
Nur wenn du die schriftliche Projektarbeit bestanden hast. Die mündliche Prüfung ist nur durchzuführen, wenn in der Projektarbeit mindestens ausreichende Leistungen erbracht wurden — also mindestens 50 von 100 Punkten.
Was passiert, wenn ich das Fachgespräch nicht bestehe?
Das Ergebnis des Fachgesprächs wird eigenständig im Zeugnis ausgewiesen. Ist das Fachgespräch nicht bestanden, muss bei einer Wiederholungsprüfung die Projektarbeit mit einem neuen Thema gestellt werden. Deine bestandene Projektarbeit rettet dich also nicht — du schreibst komplett neu.
Welche Technik muss ich zum Fachgespräch mitbringen?
Laptop und gegebenenfalls Adapter für den Beamer bringst du selbst mit; eine technische Betreuung vor Ort ist nicht gegeben. Der Leitfaden empfiehlt, die Präsentation zusätzlich im PDF-Format zu speichern, und verlangt einen Ausdruck der Präsentation zur Prüfung. Je nach Ausstattung der IHK stehen Flipchart, Pinnwand und Beamer zur Verfügung.